Onkel Wanja

Mit „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow ist dem Konstanzer Stadttheater eine gute und zugleich fragwürdige Aufführung gelungen. Beginnen wir mit dem Positiven.

Das Stück handelt von Menschen, die sich mit der Tragik ihres verpfuschten Lebens auseinandersetzen. Die kurze Zusammenfassung auf der Webseite des Theaters gibt den Inhalt des Stückes gut wieder:

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Ein Volksfeind

Dem heimischen Stadttheater ist mit seiner Inszenierung von Ibsens Volksfeind zum ersten Mal gelungen, dass ich nach dem Stück mindestens genauso heftig über die Mechanismen unserer Gesellschaft wie über die Logik des Stücks debattiert habe. Die Leistung der Schauspieler war nur am Rande ein Thema und das ist vielleicht das Besondere: Sie haben etwas transportiert und sich nicht selbst produziert. Vielleicht soll Theater so sein.

Johannes Bruggaier vom Südkurier knüpft in seiner Besprechung  an die Radikalisierung der Pegida-Bewegung an. Daran hätte ich zwar nicht im Entferntesten gedacht. Aber so ist das mit guten Stoffen – jeder entnimmt ihnen etwas (anderes). Auch ich musste an die zunehmende Verschärfung des gesellschaftlichen Diskurses denken, die wir momentan erleben. Und darum geht es in dem Stück. Aktualität ohne verkrampfte Aktualisierung – noch ein Kompliment, das ich loswerden muss.

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Der zerbrochene Krug

Immer mal wieder kann man im Konstanzer Stadttheater was erleben. So auch am 19.02.2016 bei der Aufführung von Heinrich von Kleists Zerbrochenen Krug. Wenn Zuschauer den Saal verlassen und gerufen wird, der Regisseur möge die Schauspieler endlich erlösen, weiß man, dass Theater noch provozieren kann. Das ist gut.

In der Tat wurde auch mir etwas unwohl, als die Schauspieler begannen, nackt über die Bühne zu springen und die Kulissen niederrissen. Aber ich war hellwach, wie wohl jeder im Saal. Das ganze Stück schien eher eine Dekonstruktion des Kleist’schen Lustspiels zu sein. Der hochgelobte Text wurde gelangweilt oder übertrieben pathetisch rezitiert, ohne irgendeine Zuordnung zu den Schauspielern. Jeder spielte jede Rolle, völlig wahllos, dafür aber aufs Feinste kostümiert. Es erinnerte ans Absurde Theater und Dada 2.0 schoss mit durch den Kopf.

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Besuch der alten Dame

Die Premiere am Freitag war insofern interessant, als ich mal wieder deutlich gemerkt habe, wie entscheidend ein Theaterstück von der Leistung der Schauspieler lebt. Nur diesmal leider von der falschen Seite, wenn man so will. Die Rolle der alten Dame wurde von einer jungen Frau gespielt. Man mag das für eine mutige Entscheidung halten, doch hebt das die Messlatte für die schauspielerische Anforderung noch einmal an und wenn sie nicht ohnehin zu hoch lag, dann spätestens nach dieser Entscheidung. In diesem Stück hängt m.E. mindestens 50 % allein daran, wie glaubwürdig die  Claire Zachanassian verkörpert wird. Wenn die Rolle nicht passt, geht gar nichts. Schade, dass das Stück so ruiniert wurde. Die typischen Konstanzer Klaumaukeinlagen waren auch mal wieder eher peinlich als hilfreich.

Hier zur Webseite des Theaters

Die Wahrheit über die Evolution

Evolutionary Takeover

Embryo

Evolution ist doch die Sache mit DNA, Genen und handelt davon, wie unser Leben entstanden ist und sich weiterentwickelt, oder? Nun, der Begriff Evolution kann weiter gefasst werden. Evolution ist das Wechselspiel von Mutation und Selektion oder genauer: von zufälliger Abwandlung eines Individuums, der Tatsache, ob sich diese Abwandlung in der Umwelt bewährt und der damit verbundenen Weiterentwicklung der Art, des Genotyps.

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Alles nur eingebildet?

Was ist eigentlich die Welt?

Die Elemente

Was ist die Welt? Die naive Antwort lautet: Alles was man so sieht, die Dinge, die uns umgeben, die Erde, das Universum, wir selbst. Was so offensichtlich scheint, ist aber falsch.

Betrachten wir ein paar Begriffe wie Ehre, Freundschaft, Beziehungskrise. Gibt es diese Dinge? Offensichtlich ja, aber man kann sie nicht anfassen. Die Welt zerfällt offenbar in zwei Teile: einen physikalischen und einen – nun ja – metaphysischen Bereich. Ersterer scheint der tatsächliche und reale zu sein, letzterer eher ein eingebildeter, nur im Kopf der Menschen existierender. Das eine, die Gegenstände um uns herum, existieren wirklich und richtig, das andere, die metaphysischen Dinge(?), scheinen weniger real, fast eingebildet.

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Die Sache mit dem Esel

Die Dinge sind nicht, was sie scheinen

Der Esel

Der Esel ist natürlich nur ein Beispiel für die Dinge, die wir so selbstverständlich als gegeben annehmen. Dabei kann die Sache sehr vertrackt werden, wenn man sie sich genau anschaut. In diesem Fall wollen wir den Esel von seiner Umwelt abgrenzen. Also: Da ist die Wiese, und auf der steht der Esel. Soweit so gut. Aber wo genau ist die Grenze?

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Ruiniert ruiniert

Letzten Freitag habe ich mal wieder mein Premieren-Abo am Stadttheater Konstanz genutzt. Das Stück: „Ruiniert“ der amerikanischen Dramatikerin Lynn Nottage, inszeniert von Oliver Vorwerk. Dieser hat das Stück leider ruiniert. Aber der Reihe nach.

Das Stück spielt im Kongo und zeigt, wie Mama Nadi in ihrem Bordell ein Stück geordnete Welt inmitten des afrikanischen Kriegswahnsinns betreibt. Nach und nach spitzen sich die Zustände zu und machen auch vor den Türen des Bordells keinen Halt. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der ruinierten Mädchen.

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Leistenbruchoperation

Gestern hatte ich meine OP: Leistenbruch beidseitig. Lapraskopischer Eingriff, drei Löcher im Bauch. Über die offenen Stellen wurde ein Netz gespannt und festgetackert. Die Leistenbruch-OP ist eine oder die häufigste OP in Deutschland, also Routine, es ging wohl auch alles gut.

Was mich natürlich interessiert ist die Krankenhausroutine, wie man sich fühlt und wie sehr man ausgeliefert ist. An Krankenhäuser habe ich gemischte Erfahrungen und über das Konstanzer Klinikum hat man schon so Geschichten gehört. In der Nacht vor dem Eingriff habe ich davon geträumt. Das Krankenzimmer war ein großer Festsaal mit Bühne. Unten im Raum übte das Orchester, die Betten standen rings herum. Total surreal. Auf mein verwundertes Fragen bekam ich eine Auskunft, die ich in dem Sinne verstand, dass es Sparzwänge gäbe und die Musik nicht schlecht sei. Ich fand die Antwort akzeptabel. Was mich aber beunruhigte war der OP-Saal. Er war nämlich außerhalb des eigentlichen Gebäudes in einer Art Rohbau. Als ich dann die Operateure sah, war ich erschreckt. Die hockten unter einer Stahlstrebe und wollten mich da operieren. Von oben tropfte überall Wasser runter. Skandalös. Ich habe dann protestiert und mich geweigert. Irgendwie gab es eine Debatte, dann bin ich aufgewacht.

Tatsächlich ist alles ganz anders, nahezu traumhaft. Alles blitzblank, großzugig dimensioniert, die Menschen freundlich und reden völlig vernünftig und nehmen alles sehr ernst und wichtig. Man bekommt die richtigen Informationen und weiß immer was passiert, auch dass man sich hinterher nicht an alles erinnern kann. Ich habe tatsächlich einen Filmriss von ein paar Stunden. „Sehen Sie, Sie können sich doch nicht mehr erinnern!“ heißt es dann, wen man sich die gleiche Sache zum dritten Mal erklären lässt. Ich weiß ja von diversen Alkoholexzessen, dass ich noch im sehr benebelten Zustand glaubwürdig aufnahmebereit wirken kann.

Es gab ein Problem mit der Intubierung, die Stimmbänder waren nicht zu sehen und man wollte das Rohr vernünftigerweise nicht so blind reinschieben. Hat wohl 20 Minuten gedauert, bis sie das gelöst hatten. Irgendwie erinnere ich mich auch eine so eine Gesichtsmaske, die sie mir aufgedrückt hatten. Es ist ja überhaupt wohl so, dass es nicht so sehr darauf ankommt, dass der Patient keine Schmerzen hat, sondern dass er sich nicht daran erinnert. Abgesehen mal davon, dass das Funktionsprinzip der Vollnarkose sowieso im Dunkeln liegt.

Wesentliches Element der OP ist das Aufblasen des Bauches. Mit Kohlenstoffgas wird die Hautdecke abgelöst und weggehalten, so dass die Chirurgen ihre Schlüsselochkunst entfalten können. Immerhin schaffen sie es ein mindestens handtellergroßes Netz zusammengefaltet in den Bauch zu schieben und dann dort zu entfalten und anzutackern. Suschi-Essen gehört vermutlich schon zur Grundausbildung.

Die nachträglichen Beschwerden halten sich in Grenzen scheinen mir vor allem muskulär zu sein. Die Vollnarkose führt zur vollständigen Muskelentspannung, was wohl nötig ist, um den Bauchraum aufzublasen. Schmerzen nehmen dann einen interessanten Verlauf zwischen Nachlassen der Schmerzen und nachlassender Wirkung der Schmerzmittel. 24 Stunden später sind die Gefühle dann auf Base-Level. Was dann noch schmerzt, bleibt auch noch eine Weile.

Meine größte Sorge war ja, dass man was Falsches operiert, also z.B. ein Bein abschneidet oder so. Ich hatte schon überlegt, ob ich mir was auf den Bauch schreiben soll, aber habe dann doch befürchtet, dass das ein schlechtes Karma verbreiten könnte. Ich habe dann geschafft, noch kurz vor der OP mit dem zuständigen Arzt zu sprechen und sichergestellt, dass er im Bilde ist. Ihn habe ich auch gefragt, ob er mir ein paar Bilder machen kann, was er auch tatsächlich gemacht hat. Leider kann ich nichts wirklich erkennen. Vielleicht kommt er nochmal zu einem Abschlussgespräch, dann Frage ich ihn.

Echtzeit-Internet vielleicht unterschätzt

Echtzeit-Internet ist ein neues Schlagwort über das man viel liest. Das Tempo der Netzveröffentlichungen hat so zugenommen, dass sich der Charakter verändert: Von der Präsentation statischer Inhalte zum kontinuierlichen Informationsstrom, von der Plakatsäule zur weltweiten Webcam.

Wird die Internet-Publikations-Taktrate kontinuierlich erhöht, erleben etliche Eigenschaften einen qualitativen Sprung. Spätestens mit den Bildern der Notlandung von US Airways 1549 im Hudson wurde Twitter als Nachrichtenmedium der Öffentlichkeit bekannt. Einen eher subtilen Effekt möchte ich hier beleuchten: Das Internet als Realitätsersatz.

Zuerst ist das Internet ein Spiegel der Welt. (Fast) alles auf der Welt bekommt sein digitales Pendant. Echtzeit-Internet schafft eine neue Qualität indem deutlich wird, dass das Internet nicht nur ein Abbild der Welt ist, sondern ein Teil der Welt, eine Konkurrenzveranstaltung zur „wirklichen“ Welt. Zwar ist es eigentlich Quatsch, zwischen realer Welt und künstlicher (Internet-)Welt unterscheiden zu wollen. Aber es ist offensichtlich, dass der Internet-Teil unserer Lebenswelt rasant wächst. Man könnte sogar spekulieren, dass dies auf Kosten der realen Welt geschieht: Während sich das Internet immer feiner ausdifferenziert, homogenisiert sich unser klassisches Umfeld: McDonalds im Tibet.

Wir leben einen Teil unseres Lebens in der digitalen Welt, nun also im Echtzeit-Internet. Alles was es im „realen“ Leben zwischen Menschen gibt, wird sich im Internet wiederfinden. Es wird lediglich zu einem Ort. Was wir verstehen lernen müssen, ist, wie sich diese Internet-Welt unterscheidet. Nur zwei Stichworte: Privatheit vs. Öffentlichkeit und Verteiltheit vs. Zentralität. Alles im Netz ist ja bekanntermaßen öffentlich und permanent, ein Kneipengespräch dagegen intim und flüchtig. So wichtig es ist, vor den entsprechenden Konsequenzen zu warnen, sollte man es nicht ausschließlich als Gefahrenquelle betrachten. Im Wasser kann man ja auch ertrinken oder baden