Alla Fine del Mare

Mit vollem Mund singt man doch!

Es ist doch so: Ein Fußballspiel der örtlichen B-Jugend kann spannender sein, als ein abgebrühtes Gekicke in der Champions-League. Herzblut und Engagement sind oft sehenswerter als Geld und Können. Und aus diesem Grund gehe ich gerne ins Konstanzer Stadttheater und verzeihe gerne, wenn das eine oder andere nicht ganz so perfekt gelingt, wie an den großen Häusern. Vielleicht sogar so: Eben weil das eine oder andere Mal zu sehen ist, dass die Schauspieler an ihre Grenzen kommen, kann man die erbrachte Leistung umso überzeugter würdigen.

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Der Gute Mensch von Sezuan

Wo wird denn eigentlich das Theater gespielt, auf der Bühne oder im Reichtstag?

Wer Sorge hat, bei der Konstanzer Aufführung vom Guten Menschen von Sezuan von Brecht’scher Bühnendidaktik in alte Schulaufsatzqualen zurückversetzt zu werden, kann beruhigt sein. Das Stück kommt locker und modern daher. Auf der Bühne werden Pop-Songs geschmettert, die Gestaltung ist edel in Schwarz und Weiß gehalten und mit Rauch und akustischen Effekten wird nicht gespart. Und wenn die Schauspieler plötzlich streiten und so tun, als seien sie sich uneinig, wie eine Szene zu spielen sei und wenn der Inspizient auf die Bühne kommt und die Schauspieler in ihre Rollen zurückschiebt, dann denken wir: ja, das ist Brecht, und freuen uns über die gelungene Auffrischung seines V-Effekts. Und damit ist dann auch alles gut, wie uns die Schauspieler beim Verlassen des Theatersaals noch einmal zeigen, wenn sie nach dem Applaus auf der Bühne mit Sektgläsern anstoßen und ihr gelungenes Spiel feiern.

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Angst essen Seele auf

Hatte die Dramaturgin nicht mitbekommen, dass sich Deutschland in den letzten 40 Jahren verändert hat?

Leicht hätte die Aufführung in die Hose gehen können, hätten nicht so viele Schauspieler Röcke getragen. Ungefähr diese Art von Klamauk ist es, mit der das ansonsten unveränderte Fassbinderstück aktualisiert wurde.

Doch – das gilt es ausdrücklich festzustellen – ist dies den Konstanzern vorzüglich gelungen. Wie hier auf einer fast requisitenfreien Bühne in schneller Abfolge Kostüme und Rollen gewechselt wurden, hat schon große Klasse. Das Umkleiden geschieht auf offener Bühne und trotz der dabei entstehenden Hektik bleibt man als Zuschauer ganz im Geschehen gefangen und verliert nie den Faden. Wunderbar ist auch, wie sich die Männer in Miniröcken und Stöckelschuhe bewegen können. Die in der Fasnet vorherrschende Ungelenkheit von Männern in Frauenklamotten ist offensichtlich nicht genetisch verankert. Gratulation an Schauspieler, Ausstatter und Bühnenbildner!

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Rassen

Theater Konstanz brandaktuell: Zum neuen Stück „Rassen“ von Ferdinand Bruckner

Das neue Stück am Theater Konstanz ist auf bemerkenswerte, nämlich doppelte Weise aktuell. Es zeigt drei befreundete Studenten in Deutschland des heraufziehenden Nationalsozialismus.

Zunächst zur Dramaturgie. Bei Inszenierung und Bühnenbild liegt der Standard in Konstanz schon immer hoch, aber diesmal hat das Team die Latte noch einmal höher gelegt. Die Bühne aus Stahl und Neonröhren verstärkt die bedrohlichen Tänze der weißgewandeten Faschisten. Besser kann man es nicht machen. Leider können die Schauspieler diesen Ausdruckslevel nicht erreichen; man kann nicht alles haben und eine Schauspielerliga auf der Höhe von Inszenierung und Bühnenbild würde wohl Größenordnungen über dem liegen, was unser Theater zahlen kann.

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Onkel Wanja

Mit „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow ist dem Konstanzer Stadttheater eine gute und zugleich fragwürdige Aufführung gelungen. Beginnen wir mit dem Positiven.

Das Stück handelt von Menschen, die sich mit der Tragik ihres verpfuschten Lebens auseinandersetzen. Die kurze Zusammenfassung auf der Webseite des Theaters gibt den Inhalt des Stückes gut wieder:

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Ein Volksfeind

Dem heimischen Stadttheater ist mit seiner Inszenierung von Ibsens Volksfeind zum ersten Mal gelungen, dass ich nach dem Stück mindestens genauso heftig über die Mechanismen unserer Gesellschaft wie über die Logik des Stücks debattiert habe. Die Leistung der Schauspieler war nur am Rande ein Thema und das ist vielleicht das Besondere: Sie haben etwas transportiert und sich nicht selbst produziert. Vielleicht soll Theater so sein.

Johannes Bruggaier vom Südkurier knüpft in seiner Besprechung  an die Radikalisierung der Pegida-Bewegung an. Daran hätte ich zwar nicht im Entferntesten gedacht. Aber so ist das mit guten Stoffen – jeder entnimmt ihnen etwas (anderes). Auch ich musste an die zunehmende Verschärfung des gesellschaftlichen Diskurses denken, die wir momentan erleben. Und darum geht es in dem Stück. Aktualität ohne verkrampfte Aktualisierung – noch ein Kompliment, das ich loswerden muss.

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Der zerbrochene Krug

Immer mal wieder kann man im Konstanzer Stadttheater was erleben. So auch am 19.02.2016 bei der Aufführung von Heinrich von Kleists Zerbrochenen Krug. Wenn Zuschauer den Saal verlassen und gerufen wird, der Regisseur möge die Schauspieler endlich erlösen, weiß man, dass Theater noch provozieren kann. Das ist gut.

In der Tat wurde auch mir etwas unwohl, als die Schauspieler begannen, nackt über die Bühne zu springen und die Kulissen niederrissen. Aber ich war hellwach, wie wohl jeder im Saal. Das ganze Stück schien eher eine Dekonstruktion des Kleist’schen Lustspiels zu sein. Der hochgelobte Text wurde gelangweilt oder übertrieben pathetisch rezitiert, ohne irgendeine Zuordnung zu den Schauspielern. Jeder spielte jede Rolle, völlig wahllos, dafür aber aufs Feinste kostümiert. Es erinnerte ans Absurde Theater und Dada 2.0 schoss mit durch den Kopf.

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Besuch der alten Dame

Die Premiere am Freitag war insofern interessant, als ich mal wieder deutlich gemerkt habe, wie entscheidend ein Theaterstück von der Leistung der Schauspieler lebt. Nur diesmal leider von der falschen Seite, wenn man so will. Die Rolle der alten Dame wurde von einer jungen Frau gespielt. Man mag das für eine mutige Entscheidung halten, doch hebt das die Messlatte für die schauspielerische Anforderung noch einmal an und wenn sie nicht ohnehin zu hoch lag, dann spätestens nach dieser Entscheidung. In diesem Stück hängt m.E. mindestens 50 % allein daran, wie glaubwürdig die  Claire Zachanassian verkörpert wird. Wenn die Rolle nicht passt, geht gar nichts. Schade, dass das Stück so ruiniert wurde. Die typischen Konstanzer Klaumaukeinlagen waren auch mal wieder eher peinlich als hilfreich.

Hier zur Webseite des Theaters

Die Wahrheit über die Evolution

Evolutionary Takeover

Embryo

Evolution ist doch die Sache mit DNA, Genen und handelt davon, wie unser Leben entstanden ist und sich weiterentwickelt, oder? Nun, der Begriff Evolution kann weiter gefasst werden. Evolution ist das Wechselspiel von Mutation und Selektion oder genauer: von zufälliger Abwandlung eines Individuums, der Tatsache, ob sich diese Abwandlung in der Umwelt bewährt und der damit verbundenen Weiterentwicklung der Art, des Genotyps.

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Alles nur eingebildet?

Was ist eigentlich die Welt?

Die Elemente

Was ist die Welt? Die naive Antwort lautet: Alles was man so sieht, die Dinge, die uns umgeben, die Erde, das Universum, wir selbst. Was so offensichtlich scheint, ist aber falsch.

Betrachten wir ein paar Begriffe wie Ehre, Freundschaft, Beziehungskrise. Gibt es diese Dinge? Offensichtlich ja, aber man kann sie nicht anfassen. Die Welt zerfällt offenbar in zwei Teile: einen physikalischen und einen – nun ja – metaphysischen Bereich. Ersterer scheint der tatsächliche und reale zu sein, letzterer eher ein eingebildeter, nur im Kopf der Menschen existierender. Das eine, die Gegenstände um uns herum, existieren wirklich und richtig, das andere, die metaphysischen Dinge(?), scheinen weniger real, fast eingebildet.

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